Das Herz
Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems sind verantwortlich für die meisten Todesfälle in der BRD und der westlichen Welt. Die Ursache für Herzinfarkt und Schlaganfall ist die Arteriosklerose ("Gefäßverkalkung").
Arteriosklerose ist eine Erkrankung der Innenwand der Arterien, die zur Verengung und Verschluß der Gefäße führt. Ausgelöst oder gefördert wird die Arteriosklerose durch erhöhte Blutfettspiegel, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht und mangelnde körperliche Betätigung. Durch die Kontrolle dieser Risikofaktoren kann jeder in eigener Verantwortung für seine Gesundheit sorgen.
Das Herz hat die Aufgabe, Blut durch unseren Körper zu pumpen. Es hat 4 Herzkammern und 4 Herzklappen, die als Ventile dienen. Der Herzmuskel (Myokard) ist die treibende Kraft dieser Pumpe. Seine Energie bekommt es über die Herzkranzgefässe (Koronararterien) geliefert. Die Haupterkrankung des Herzens ist die mangelhafte Versorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff (ischämische Herzerkrankung) verursacht durch eine Arteriosklerose der Herzkranzgefässe (Koronare Herzkrankheit). Durch die Verengung dieser Gefässe bekommt der Herzmuskel nicht genug Sauerstoff geliefert, welches sich meist bei Belastung durch Schmerzen zeigt. Dies entspricht dem klinischen Bild der "Angina pectoris". Aber es müssen nicht in jedem Fall Beschwerden auftreten.
Kommt es zum plötzlichem Verschluß eines wichtigen Herzkranzgefässes, so tritt ein Herzinfarkt auf. Beim Infarkt stirbt ein Teil des von dem Gefäss versorgten Gewebes, beim Herzen ist es der Herzmuskel, durch die mangelhafte Blutversorgung ab. Lebensrettend ist beim Herzinfarkt die möglichst schnelle ärztliche Versorgung und Verlegung des Patienten in ein Krankenhaus. Ziel der Behandlung ist die schnelle Wiedereröffnung des Gefässes. Hierdurch können, wenn es früh genug geschieht, Herzmuskelanteile vom Untergang gerettet werden.

Wichtig ist eine frühe Erkennung der koronaren Herzerkrankung. Erschwert wird sie durch die Tatsache, dass nicht jeder Brustschmerz auf eine Herzerkrankung zurückzuführen ist. Der Brustschmerz kann durch Erkrankungen des Skeletts, der Nerven, der Speiseröhre und andere mehr hervorgerufen sein. Auch psychosomatische Störungen oder Neurosen können sich durch "Herzschmerzen" äussern. Deshalb sind "objektive" Untersuchungsmethoden zur Diagnostik unerläßlich.

In der Diagnostik der Koronaren-Herz-Krankheit (KHK) werden eingesetzt:

    1. Das Belastungs-EKG. Eine vergleichsweise wenig aufwendige Methode, mit jedoch zu geringer Empfindlichkeit zum sicheren Ausschluss.
    2. Die Stress-Echokardiographie. Hier wird die Bewegung des Herzmuskels unter Belastungsbedingungen mit Ultraschall untersucht. Eine treffsichere Methode, aber sehr vom Untersucher abhängig.
    3. Die Myokardszintigraphie. Eine nuklearmedizinische Methode zur Darstellung der Blutverteilung im Herzmuskel in Ruhe und unter Belastung. Eine ebenfalls sehr treffsichere, aber auch aufwendige Methode.
    4. Die Koronarangiographie. Röntgenologische Darstellung der Kranzgefässe mit Kontrastmittel durch Einführung einer Herzsonde. Die sicherste, aber auch aufwendigste Methode.

Wie im Einzelfall vorzugehen ist, hängt vom klinischen Bild und den örtlichen Gegebenheiten ab.

MYOKARDSZINTIGRAPHIE

Bei der Myokardszintigraphie wird die Verteilung des Blutes im Herzmuskel mit Hilfe eines Isotops sichtbar gemacht und beurteilt.
Das Isotop, das wir einsetzen, ist das Thallium-201. Es ist ein "weicher" Gammastrahler und hat eine HWZ von 72 Stunden. Mit diesem Isotop liegen weltweit die längsten und besten Erfahrungen vor. Wie mit allen Isotopen in der Nuklearmedizin gibt es keine allergischen Reaktionen oder Nebenwirkungen bei der Anwendung.

Dargestellt wird die Verteilung des Thallium im Herzmuskel 3-Dimensional durch Schnittbilder, hergestellt mit einer SPECT Gammakamera.

Die einzelnen Schritte dieser Untersuchung sind folgende:

    1. Anamnese. Besprechung der Symptome, Vorerkrankungen, Voruntersuchungen und Behandlungen.
    2. Belastung. Belastung des Herzens auf dem Fahrradergometer oder mit Medikamenten durch eine Infusion, falls eine Fahrradbelastung nicht möglich ist.
    3. Thallium-201 wird auf dem Höhepunkt der Belastung in die Vene gespritzt.
    4. Mit der SPECT Gammakamera werden Aufnahmen des Herzens gemacht. (Dauer 10 Min.)
    5. Pause von 2 1/2 Stunden. In dieser Zeit ändert sich die Verteilung des Thallium-201 im Herzmuskel, wenn unter Belastung eine Minderdurchblutung eingetreten war. Diese Zeitspanne ist wesentlich für die Erkennung einer Durchblutungsstörung am Herzen.
    6. Zweite Aufnahme mit der SPECT Gammakamera.
    7. Eventuell Messung der Pumpleistung des Herzens mit Tc-99m und einer Gammakamera. (Dauer 1 Min.)
    8. Besprechung der Untersuchungsergebnisse.

Die Gesamtzeit, die der Patient für diese Untersuchung benötigt, beträgt etwa 4 Stunden.

INDIKATIONEN

    1. Verdacht auf KHK bei unklaren Beschwerden.
    2. Verdacht auf KHK bei auffälligem Belastungs-EKG ohne Beschwerden.
    3. Pathologisches Belastungs-EKG bei Frauen vor der Menopause.
    5. Zur Überprüfung der Relevanz von Verengungen in den Kranzgefässen.
    6. Nach Herzinfarkt zur Überprüfung der Grösse der Narbe, und ob noch Ischämie auftritt.
    7. Bei Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung) zur Feststellung, ob Ischämie die Ursache ist.
    8. Zur Kontrolle nach Bypass-OP oder PTCA (Ballonaufdehnung).

Wichtig für den Patienten: Herzmedikamente an dem Tag noch nicht einnehmen, aber zur Untersuchung mitbringen. Kleines Frühstück kann eingenommen werden.

Herz

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